Qendresa blickt zuversichtlich in die Zukunft
Im Jahr 1996 gingen wir - ich war gerade 2 1/2 Jahre alt - wie jedes Jahr zusammen mit weiteren 10 Familienmitgliedern in die Sommerferien nach Montenegro. Die ersten Ferientage waren traumhaft schön - die Stadt ansehen, baden und viel Sonne. Dann kam der heisseste Tag in unseren Ferien. Alle wollten so schnell wie möglich zum Strand, doch schon als ich aufstand, fühlte ich mich nicht ganz wohl. Auch am Strand beim Spielen schmerzte mein Bauch, ich konnte nicht auf die Toilette und beim unteren Bauchbereich hatte sich ein runder Knäuel gebildet.
Der Arzt, den meine Eltern ganz in der Nähe unseres Hotels mit mir aufsuchten, untersuchte und sagte meinen Eltern sogleich: Ich habe nicht die nötigen Mittel, um ihr Kind noch genauer zu untersuchen, aber ich merke, dass irgend etwas nicht stimmt und es wäre wirklich gut, wenn Sie sofort in die Schweiz zurückkehren und Ihr Kind ins Spital bringen würden!“
So wurden die Ferien abgebrochen und wir kehrten in die Schweiz zurück. Schon am nächsten Tag nächsten Tag ging es zur Notfallstation im Kinderspital Zürich. Die Ärzte untersuchten meinen Bauch dann folgte ein Ultraschall, ein MRIMRI. Die Magnetresonanztomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das vor allem in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt wird. (Radiographie) und weitere Untersuchungen. Am Ende des Tages hatten sich alle Ärzte, die in diesem Krankheitsgebiet spezialisiert waren, versammelt, um meiner Mutter die Resultate zu zeigen. Ich sei krebskrank und man müsse so schnell wie möglich mit der Behandlung anfangen. Zusammen mit Grossvater und Grossmutter und meinem Vater wurde beraten, was zu tun war. Meine Eltern stimmten der Behandlung zu.
Zuerst mussten die Ärzte die Muttergeschwülste, die Beulen, die auf meinem Bauch zu sehen waren entfernen, um zu untersuchen, ob der Tumor, der sich bei mir gebildet hatte, schlimm war. Die Ergebnisse der Untersuchungen kamen und es stand fest, dass meine Chancen zu einer schnellen Heilung weniger als 50%. Ich sollte gleich mit der ChemotherapieChemotherapie. Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Therapie die Krebszellen zerstören soll. anfangen.
In der Zeit der ChemotherapieChemotherapie. Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Therapie die Krebszellen zerstören soll. hatte ich viele Schmerzen und ich verlor die Haare völlig - dazu kam Übelkeit und ich wurde deshalb jeden Tag dünner und dünner. Die Chemo dauerte bei mir ca. vier Monate und als die Ärzte das NeuroblastomNeuroblastom. Das Neuroblastom ist mit sieben bis acht Prozent aller Krebserkrankungen im Kindesalter die dritthäufigste bösartige Neubildung bei Kindern. in meinem Bauch untersuchten, stellten sie fest, dass der Tumor nun geschrumpft war und sie ihn von meinem Körper entfernen können.
Unglücklicherweise befand sich der TumorTumor. Ein Tumor – Geschwulst, Schwellung, im weiteren Sinn ist jede Zunahme eines Gewebsvolumens unabhängig von der Ursache. bei mir in der Nähe des Rückenmarks und dort, wo alle Venen und Arterien zusammenführten. Deshalb mussten die Ärzte erst am Rücken und dann am Bauch operieren.
Beide Operationen waren sehr heikel und meine Eltern mussten zur Einstimmung ein Formular unterschreiben. Die Gefahr, wenn etwas schief ging - vor allem beim Eingriff am Rücken - war, dass ich eventuell den Rest des Lebens im Rollstuhl sitzen müsste. Meine Eltern hatten Angst, gleich zu unterschreiben, weil dann auch sie mit schuld daran seien, wenn ich nicht mehr laufen konnte. Sie bekamen viel Zeit zum Nachdenken. Nach einer unruhigen Nacht und einem Tag sprachen sie sich noch einmal aus und entschieden, dass die Unterschrift auf dem Formular die beste Entscheidung für mich war.
Dann konnten die Spezialisten mit der OP am Rücken anfangen. Als erstes bekam ich die Narkose und dann war es so weit, man konnte nun beginnen. Nach mehr als acht Stunden war mehr als die Hälfte des Tumors weg und ich konnte mich nun wieder mit meiner Familie ausruhen. Um den Rest des NeuroblastomsNeuroblastom. Das Neuroblastom ist mit sieben bis acht Prozent aller Krebserkrankungen im Kindesalter die dritthäufigste bösartige Neubildung bei Kindern. zu entfernen, musste man sieben Tage warten bis ich mich etwas von der letzten OP erholte und die Naht am Rücken teilweise verheilt war. Der Eingriff am Bauch dauerte etwa sieben Stunden und ich wurde bei dieser OP von der linken Bauchseite zur rechten operiert. Nachdem die Narben fast verheilt waren durfte ich vorzeitig das Spital verlassen.
Es folgte eine Zeit, in der meine Eltern mir jeden Wunsch erfüllten und viel mit mir gereist sind, wohin sie nur konnten. Wir besuchten viele Städte in der Schweiz und andere Familienmitglieder. Nach ungefähr sechs Monaten, war die Zeit gekommen, dass ich wieder ins KiSpi musste für die dreimonatige Bestrahlung. Diese Behandlung musste auch durchgeführt werden, damit keine einzigen krebsartigen Zellen mehr in meinem Körper vorhanden waren.
Nachdem ich auch diese Behandlung hinter mich gebracht hatte, war ich als weitgehend geheilt erklärt worden. Nun musste ich nicht mehr im Spital schlafen. Ich sollte nur noch zwei mal im Jahr zur Nachkontrolle kommen, um nachzusehen, ob immer noch alles in Ordnung ist.
Die Diagnose: Neuroblastom
Das Neuroblastom ist eine Krankheit, die am häufigsten bei Kleinkindern und Jugendlichen auftaucht und auch bei den meisten Kindern gut geheilt werden konnte.
Ein Neuroblastom entsteht durch unreife Zellen, die sich anormal entwickeln und dadurch bösartig werden. Diese unreifen Zellen, fressen sich in die Bauchmitte und oftmals auch in das Knochenmark. Wenn dies geschieht, bilden sich im unteren oder oberen Bauchbereich Muttergeschwülste, die mit dem entstandenen Tumor verbunden sind.
Anzeichen für solch eine Erkrankung sind zum Beispiel Durchfall oder Vergrösserung des Bauchumfanges. Es kann auch Husten und Atemnot verursachen oder wenn der Tumor in die Wirbelsäule einwächst, kann es zu einer Lähmung führen. Das Neuroblastom wird meistens gleich operativ entfernt, dann wird eine Chemotherapie und eine Bestrahlung durchgeführt um sämtliche Krebszellen zu vernichten.
Was sich hier so einfach liest als zeitlicher Ablauf der Therapie, ist von Bildeindrücken und Erinnerungen begleitet, die das Leiden und die ausserordentliche Situation wiederspiegeln.
Erinnerungen und andere Gedanken:
Was alles im Spital passiert ist, daran erinnere ich mich kaum. Ausser, dass jede Woche ein Clown zu mir in mein Zimmer kam, mit mir spielte, lachte und mir einige lustige Tricks zeigte.
Ich überlege mir heute, was aus mir geworden wäre, wenn ich diese Krankheit nicht gehabt hätte. Hätte ich mich in der Pubertät genau gleich entwickelt wie alle meine Freunde? Würde ich dann im Sport schneller sein? Wäre ich genau so gut in der Schule wie jetzt? Auch überlege ich mir, ob es besser war, dass ich so jung die Krankheit bekam oder ob es besser gewesen wäre, wenn ich sie als Frau bekäme? Wäre es nicht schöner gewesen, wenn ich eine schmerzfreie und glückliche Kindheit gehabt hätte und dann erst als Erwachsene all das erleiden müsste, was ich mit 2 ½ Jahren alles erlitt?
Durch die Abschlussarbeit konnte ich noch einmal mehr über das Neuroblastom lernen und weiss jetzt besser, was hätte schief gehen können und was genau die Ursache für das Ausbrechen dieses Krebses war.
Was ich auch erfahren habe ist, dass ich in Zukunft vielen kranken Kindern und deren Eltern helfen kann. Ausserdem darf ich bei Festen, Ausflügen und Lagern, die, die „Stiftung Sternschnuppe Organisiert, mitmachen und mithelfen. Ich würde auch gerne ins Kinderspital gehen, um mit Eltern zu reden, deren Kinder die gleiche Krankheit haben, wie ich sie hatte, und diesen etwas Mut machen, ihnen zeigen, wie ich aussah als ich krank war, wie ich hätte sein können, wenn bei den OPs etwas schief gegangen wäre. Und natürlich auch wie es mir heute geht und was ich alles bis jetzt geschafft habe.
Nachtrag: Qendresa erwähnte im Gespräch, dass die meisten Menschen, auch in Ihrer Umgebung oder der Schule, gar nicht nachvollziehen können, wie schlimm die ganze Situation war und wie gefährlich. Da gab es da schon eher ein Auslachen oder Hänseln wegen ihrer grossen Narben. Das lässt sie aber auch verstehen, dass viel mehr Aufklärung notwendig ist über Krebserkrankungen beim Kind.
Qendresa ist mit der Schule fertig und macht eine Ausbildung. Für Kinder mit Krebs möchte sie sich einsetzen und helfen wo sie kann - ob mit Spenden oder mit Mitarbeit. Auch der Berufswunsch geht in diese Richtung: Vielleicht schaffe ich es dann, Physiotherapeutin zu werden.

- Drei Jahre alt und mitten in der Chemotherapie. Die Schmerzen waren schnell vergessen, wenn ich mit meiner Mutter spielte.

- Mit vier Jahren nach der Entfernung des Neuroblastoms ging es nach Hause - nach einer kleinen Abschiedsfeier - grosse Ereignisse mit ganz kleinen Schritten.

- Keine Haare - dafür zuhause und glücklich.

- Zu Beginn der Chemotherapie im Kinderspital Zürich






